Film Review: ‚Bohemian Rhapsody‘

Bohemian Rhapsody
‚Bohemian Rhapsody‘ (Twentieth Century Fox)

Regie: Bryan Singer
Cast: Rami Malek, Lucy Boynton, Gwilym Lee, Ben Hardy, Joe Mazzello, Aidan Gillen, Tom Hollander, Allen Leech, Aaron McCusker, Mike Myers
USA 2018
Drama, Musik, Biografie
134 Minuten
FSK 6


 

Schon die Eingangssequenz von ‚Bohemian Rhapsody‘ ist Gänsehaut pur. Und einige solcher Momente werden folgen. Ob im Musikrausch, oder bei persönlichen Schicksalsschlägen des Leadsängers Freddie Mercury.

Wegen des Regisseurs Bryan Singer wird ‚Bohemian Rhapsody‘ vor allem in den USA von der Presse teils kritisch beäugt. Gegen den Regisseur liegen diverse Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung vor. Zudem wurde Singer von Fox gefeuert, da er an den letzten Drehtagen nicht mehr am Set erschien. Das waren keine guten Vorzeichen für das Projekt. Schließlich übernahm Dexter Fletcher. Allerdings merkt man dem Film diesen Eingriff nicht an.

‚Bohemian Rhapsody‘ ist ein für das Popcorn-Kino glatt geschliffenes Biopic. Historisch nimmt es der Film nicht immer ganz so genau. Zudem werden einige bedeutende Lebensstationen von Freddie Mercury nur angedeutet. Was die Musik und ein grandioser Rami Malek beinahe wettmachen.
Wer mit Queen und deren Musik bisher nicht so viel anfangen konnte, wird mit dem Film aber dennoch, aus den oben genannten Gründen, Spaß haben können.
Ein Musikfilm, der sich auch als solcher anfühlt. Die Inszenierung des Live-Aid-Auftritts ist durchaus gelungen und bringt jeden Kinosaal zum beben.

Für Queen-Fans bietet der Film kaum neues. Viele dürften sich an einigen Ungenauigkeiten und der Oberflächlichkeit stören.

Die berüchtigten Exzesse von Mercury werden komplett ausgeblendet, der Film traut sich nur ein paar schüchterne Küsse anzudeuten.
Sein wildes Partyleben wird ebenso kaum gezeigt. Die beabsichtigte Jugend-Freigabe von FSK 6 verhindert, einen mutigen Film zu realisieren, der alle Facetten Mercurys zeigt, wie seine im Verborgenen ausgelebten Sexualität und der von ihm auf der Bühne dargestellten Person. Dies zu beleuchten, was die Person Freddie Mercury so schillernd machte, verpasst ‚Bohemian Rhapsody‘.

Bohemian Rhapsody
Rami Malek als Freddie Mercury

So sehen wir einen Musikfilm, der die üblichen Highlights zeichnet, die schon in Dutzenden Dokus zu sehen war. Nur die Musik reicht eben nicht. ‚Bohemian Rhapsody‘ schöpft viel zu wenig aus dem Leben von Freddie Mercury. Seine Abgründe, seine legendären Partys, seine Einsamkeit, sein Drogenrausch, sein Abdriften in die Unterwelt. Nur ein paar harmlose, familienfreundliche Andeutungen. Die Lebensgeschichte des Sängers hätte so viel Stoff hergegeben, die der Film einfach verschenkt. Ohne die grandiose Performance Rami Maleks wäre ‚Bohemian Rhapsody‘ nur eine weitere, wenn auch aufwendige Doku mit ein paar tollen Bildern.
Rami Malek schrammt bei seinem Spiel knapp am Overacting vorbei. Er findet aber im Laufe der Spielzeit immer mehr in seine Rolle. Allerdings hat man es mit den Zahnprothesen, die ihn als Künstler mit seinem berühmten Überbiss zeigen, etwas übertrieben.
Im englischen Original sieht man nicht nur, sondern hört vor allem Maleks Performance, die fast schon erschreckend nahe am Original ist.

BOHEMIAN RHAPSODY

Am Ende zeigt der Film fast alle entscheidenden Lebensstationen vom Ende der 1960er-Jahre bis 1985, dem Auftritt beim Charity-Event Live-Aid im Wembley-Stadion.

Er bringt die obligatorischen Handvoll unvergesslicher Queen-Titel unter, und setzt der Band und Freddie Mercury zweifelsohne ein filmisches Denkmal.

Dennoch hätten ‚Bohemian Rhapsody‘ ein paar Ecken und Kanten gut getan. So wie Mercury, der alles andere als ein glattgeschliffenes Produkt der Musikindustrie war.
So bleibt es nur ein oberflächliches Biopic. Aber immerhin eine mitreißende Fahrt in die Musikgeschichte.

Und es gibt eine Szene, die in ihrer inneren Ruhe eine unglaubliche Kraft entwickelt und tief berührt; Als Freddie im Krankenhaus von seiner HIV-Infektion erfährt und einem Jungen begegnet der den Sänger erkennt und eine Melodie anstimmt, die Mercury neue Kraft gibt… ein ganz starker Moment.

 

 


Drehbuch: Anthony McCarten
Produzenten: Graham King
Kamera: Newton Thomas Sigel
Schnitt: John Ottman
Musik: John Ottman

 

Ab 31. Oktober 2018 im Kino