Film Review: ’25 km/h‘

25 km/h
’25 km/h‘ (Sony Pictures)

Regie: Markus Goller
Cast: Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Sandra Hüller, Jella Haase, Alexandra Maria Lara, Franka Potente, Jördis Triebel, Wotan Wilke Möhring, Martin Brambach
Deutschland 2018
116 Minuten
FSK 6


 

Zwei Brüder – zwei Mofas – null Plan

Georg (Bjarne Mädel) und Christian (Lars Eidinger) sind zwei Brüder die unterschiedlicher nicht sein können. Der eine, Tischler von Beruf, lebt in einem beschaulicher Dorf im Schwarzwald.
Der andere ein Globetrotter, Top-Manager, die Welt ist sein Zuhause, London, Shanghai. Business first. Anzug und Krawatte sitzt.

Als der gemeinsame Vater stirbt, trifft man sich nach vielen Jahren im Schwarzwald wieder. Die Fronten sind allerdings verhärtet.
Der Plot klingt nach einer klischeehaften Geschichte, die 20:15 Uhr irgendwo im öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt werden könnte.

Tatsächlich aber ist ’25 km/h‘ ein überaus unterhaltsamer und witziger Road- und Buddymovie, mit viel Herz und überraschend viel Tiefe.
Und mit Lars Eidinger und Bjarne Mädel in den Hauptrollen ideal besetzt. Die Chemie zwischen den beiden „Brüdern“ passt einfach.

Diese entschließen spontan endlich den Trip zu machen, den sie in Kindertagen schmiedeten aber nie antraten, und nun der richtige Moment, nach dem Tod des Vaters gekommen zu sein scheint.
So geht es, mitten in Nacht, mit Restalkohol im Blut auf an die Ostsee. Das gesteckte Ziel. Vom Schwarzwald. Mit uralten Mofas.

Von Löchingen raus in die Republik

Das Roadmovie nimmt seinen Lauf. Trotz Ziel planlos. Dabei geraden die Brüder immer wieder aneinander. Und entdecken trotz allem die Liebe die sie verbindet, für sich neu. Je länger der Trip dauert, desto mehr erkennen beide, wie stark die Bindung ist. Auch nach all den vielen Jahren der Trennung. Bruder ist man halt immer.

25 km/h

Auf ihrem Weg durch die Republik machen sie so manche kuriose Begegnungen. Vom Stepptanz, Tischtennis-Duellen, Fast-Sex-Erlebnissen, dem großen Fressen u.v.m., erleben die „Schwarzwald-Brüder“ so einiges. Und lernen dabei vor allem viel über sich. Das ganze entwickelt sich somit auch zu einem Selbstfindungtrip. Bei maximal 25 km/h.

Die Chemie zwischen Lars Eidinger und Bjarne Mädel stimmt. Die beiden harmonieren bestes miteinander. Es macht großen Spaß beiden zuzusehen.
Ob beide gerade mal wieder miteinander kampeln, zusammen auf ihren Mofas durch die deutsche Provinz brettern, beim philosophieren, streiten, oder wenn der einem dem anderen seine wahres Gefühlsleben beichtet. Dabei spielt Eidinger als Top-Manager, der immer Stress hat, den souveränen Typen der anpackt. Der aber auch Gefühle hat, und so manches Geheimnis, wie sich bald rausstellt.

Mädel, der den introvertierten Tischler aus der der schwäbischen Provinz verkörpert, kümmert sich pflichtbewusst um den gemeinsamen Vater. Sein Glück in Sachen Liebe und die Erfüllung des Lebens fand er dabei noch nicht. Er stellt bald fest, dass das Leben so einiges mehr zu bieten hat.

Der Film bietet zudem einige Prominente Gäste. Wie Sandra Hüller, ebenfalls aus Löchingen, mit wunderbaren schwäbischen Akzent. Die beiden „Film-Freundinnen“ Alexandra Maria Lara und Franka Potente, die Georg und Christian den Kopf verdrehen. Und als Highlight; Wotan Wilke Möhring. Im Film nur ehrfürchtig „Hantel“ genannt. Der cholerische Provinzler tritt gegen die beiden Brüder in einem folgenschweren Tischtennis-Duell, in dem es um alles geht, an. Und trachtet den beiden später sogar als „Robin Hood für Arme“ nach dem Leben.

Wotan Wilke Möhring

 

 


Drehbuch: Oliver Ziegenbalg
Produzenten: Markus Goller,Oliver Ziegenbalg
Kamera: Frank Griebe
Schnitt: Matti Falkenberg
Musik: Andrej Melita

Ab 31. Oktober 2018 im Kino

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