Kolumne When she's gone: Dear Missy - ein Nachruf

When she’s gone: Dear Missy – ein Nachruf

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Wenn du gehst.. und doch für immer bleibst.
Ein Nachruf.

Der Tod eines Hundes ist für den oder die Besitzer zweifelsohne eine große Tragödie. Denn der Vierbeiner wird schnell zum vollwertigen Familienmitglied. Und so ist die Trauer über das Ableben des „besten Freundes“ selbstredend immer sehr groß. Eine Tatsache, die nicht jeder versteht, bzw. nachvollziehen kann. Verständlich, einerseits. Aber Nebenbemerkungen wie „ist ja nur ein Hund“, ob nun direkt ausgesprochen oder durch die Blume angemerkt, sind keine Seltenheit.
So nach dem Motto; naja, okay, traurig, aber hat man bald vergessen, kauft man sich eben einen Neuen.
Solche Gedanken können nur von Leuten kommen, der nie ein Haustier oder Hund an ihrer Seite hatten.

Wie gesagt, das ist kein Vorwurf, fehlende Empathie aber schon.

Viele Hundebesitzer müssen eines Tages ihr geliebtes Tier verabschieden. Naturgemäß erreichen Hunde nur den Bruchteil eines Menschenlebens. Das Durchschnittsalter ist dabei sehr unterschiedlich, je nach Rasse, Größe etc. Es liegt bei ca. 10-16 Jahren.
Natürlich denkt man im Alltag kaum darüber nach. Sondern erfreut sich an dem gemeinsamen Leben zwischen Mensch und Tier.

Doch jetzt ist es passiert. Schlagartig hat es mich getroffen. Am Morgen des 19. Mai 2019.
Nach dem Aufwachen richtete sich mein Blick, wie jeden Tag, zum Platz meines Hundes. Sie merkt sofort wenn ich wach bin, um schaut dann zeitgleich zu mir hoch. Dann treffen uns unsere Blicke. Wie abgestimmt. Unsere erste morgendliche Begrüßung, die sich jeden Tag wiederholt. Dank jahrelanger „Morgen-Routine“.
Doch an diesem Tag kein Blick von ihr. Keine Rührung. Sie lag auch nicht in ihrer typischen Schlafposition.
Noch machte ich mir keine Gedanken.
Ich stieg aus dem Bett, schlürfte ins Bad, kam zurück und wandte den Blick wieder zu „Missy“. Sie lag noch ruhig da. Offensichtlich schlief sie sehr fest, dachte ich. Nicht völlig ungewöhnlich. Ich wollte sie auch nicht aufwecken. Ich zog mich an, machte Frühstück. Das ist auch langsam der Zeitpunkt, wo wir uns zum Gassi gehen aufmachen. Und mein Gang in die Küche wurde zu dieser Zeit immer neugierig von ihr beobachtet, schließlich verbirgt sich in diesem Raum auch das Fressen für den Hund.
Nun schaute ich genauer nach. Ich ging zu ihrem Platz. Kniete mich zu ihr hin, schaute sie genauer an und sah wie sich ihre Bauchdecke nicht bewegte. Weitere Sekunden vergingen. Nichts. Keine Atembewegung. Ein kurzer Schock.
Ich berührte sie leicht. Ganz leicht. Nichts. Noch immer konnte ich kein Auf und Ab des Körpers beobachten, um eine normale Atmung zu erkennen. Ich berührte ihren Kopf. Ihren ganzen Körper. Fester. Ich rief ihren Namen. Nichts. Mir stockte der Atem. Mein Herz raste, mir wurde warm. Ich schüttelte sie leicht. Tastete sie ab um einen Herzschlag spüren zu können, der normalerweise klar spürbar ist. Nichts. Alles schien, gerade im Nachhinein, wie in Zeitlupe abzulaufen. Das unaussprechliche, das unmögliche, das nicht wahrhabende wurde immer klarer. Der Gedanke wollte nicht in meinen Kopf, aber es war eine bittere Tatsache; sie ist tot.
Mir liefen die Tränen. Ich kauerte über ihr. Ich weiß nicht mehr wie lange. Minuten. Ich verlor jedes Zeitgefühl. Ich nahm sie in meine Arme.
Ein tiefer Schock erfasste mich. Ein paar Minuten vorher machte ich mich noch bereit für‘s Gassi gehen. An diesem Sonntagnachmittag wollte ich mit ihr ins Grüne.
Endlich wieder mal einen Tag ohne Stress verbringen. Ausspannen. Nicht an Arbeit denken.

Ich streichelte ihren Kopf. So gerne hätte ich jetzt in ihre braunen Augen geblickt. Doch diese waren geschlossen. Für immer.
Meine Hände gleiteten über ihren ganzen Körper, über ihr weiches Fell.
Ich konnte nicht von ihr lassen. Nicht den Blick abwenden, sie nicht aus den Armen legen.
Doch ich musste den Tierarzt informieren.
Was ab da an passierte, ist nur noch verschwommen. Es ist unwirklich.

Mir schossen zugleich zahlreiche Erinnerungen hoch. An dem Tag vorher, als sie noch putzmunter schien. An jenem Tag im Jahr 2011, als sich zum ersten Mal unsere Blicke trafen, da war sie achteinhalb Wochen. Der einzige Welpe aus einem Wurf von 12 Hunde-Babys, der mit mir diesen intensiven Blickkontakt aufnahm, und in diesem Moment war klar; das ist sie. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich erinnerte mich, wie schüchtern sie auf dem Weg in ihr neues Zuhause war. Sie wollte kaum laufen. Ich trug sie in unsere Wohnung. Wie sie in den ersten Wochen, auf dem Fußboden liegend, immer ihren kleinen Kopf auf meine Füße legte. Nie von mir weichte. Mir permanent nachlief.

Ich erinnere mich an die zahllosen Ausflüge, über das herumtollen auf grüne Wiesen, an ihre Neugier, an die Freude anderer Menschen, die sie stets auslöste. Das Kompliment, was für ein hübscher Hund sie doch sei. An ihr unglaublich liebes Wesen.

Missy mit 10 Wochen / 4. Juli 2011

Es war eine zutiefst innige Beziehung. Voller Liebe und Vertrauen. Allein beim Schreiben dieser Zeilen kann ich die eine oder andere Träne nicht verbergen. Genau eine Woche nach ihrem Tod.
Es war eben nicht nur ein Hund. Wenn ein Tier über viele Jahre an deiner Seite ist, und sich eine so enge Beziehung aufbaut, dann kann man durchaus von einem Familienmitglied sprechen. Auch wenn ich immer darauf geachtet habe sie nie zu vermenschlichen.
Ich hätte tatsächlich am Anfang nie gedacht, wie eng diese Beziehung zwischen ihr und mir werden würde. Wie groß die Gefühle sind. Schnell wurde daraus innige Liebe.
Und was haben wir alles erlebt. Sie hat so viele Menschen, denen wir begegneten begeistert. Besonders Kinder. Selbst meine Mama, die sehr großen Respekt, bis hin zu Angst vor Hunden hat, verliebte sich schnell in sie. Sie kuschelte sogar mit ihr. Vorher undenkbar.
Es gibt so unglaublich viele schöne Erinnerungen. Kleine und große Momente.
Ich habe in den Jahren hunderte Fotos und dutzende Videos von ihr gemacht. Diese jetzt anzuschauen fällt mir derzeit aber sehr schwer. Heute, eine Woche nach ihrem Tod, ist alles noch zu frisch.

Denn jetzt, beim Fühlen dieser Trauer und dem Schmerz, weiß man was man verloren hat. Mehr als einen Hund. Die Wortwahl mag für Außenstehende ein wenig dick aufgetragen sein. Weil es fast so klingt, als hätte man einen lieben Menschen verloren. Natürlich würde jeder sagen, dass die Trauer über einen Menschen schwerer wiegt als bei einem Hund. Ich kann aus leidlicher Erfahrung sagen, das es so einfach nicht ist. Denn ich mag beides nicht vergleichen. Und das sollte man auch nicht.
Fakt ist, dass ich mir definitiv nicht in absehbarer Zeit einen neuen Hund anschaffen werde. Ein Hund ist kein Gegenstand, den man einfach ersetzen kann.

10. Mai 2019

Ich bin unsagbar dankbar für unsere gemeinsame Zeit. Diese Hundelady war definitiv eine meiner besten Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe. Eine enorme Bereicherung. Weil man so viel aus den gemeinsamen erlebten ziehen kann. Und man lernt sich von einer neuen Seite kennen. Denn ein Hund bedeutet auch eine große Verantwortung. Es verlangt Fürsorge und Pflege, Erziehung und Training. Und alles was man dem Hund gibt, bekommt man tausendfach zurück; man wird überschwemmt von Glück und Freude. Alles, was mir mein Hund, was „Missy“ mir gegeben hat, wird immer bleiben und nie vergessen. Und so lebt sie weiter, nicht auf romantisch verklärte Art, aber ein Teil von ihr wird immer bei mir sein.
Ich hoffe inständig, ich konnte ihr ein gutes und artgerechtes Leben ermöglichen. Ein schützendes und liebevolles Zuhause geben. Ich habe jedenfalls alles dafür getan.

Die Todesursache bleibt unbekannt, eine Obduktion kam für mich nicht in Frage. Ich hoffe nur sie ist in Frieden und ohne Schmerzen eingeschlafen. Wonach es wohl auch „zum Glück“ aussieht.
Meine Gedanken sind ständig bei ihr. Das Tippen dieser Zeilen geht nicht leicht von der Hand.
Es ist eine Verabschiedung. Es ist mein Nachruf auf eine besondere Hündin, die ein Teil unserer Familie war.

Mach’s gut meine Liebe.

Jeden Morgen schaue ich auf deinen Platz, doch du bist nicht da.
Wenn ich nach Hause komme, erwarte ich deine freudige Begrüßung, will mir die Leine schnappen und mit dir rausgehen, doch du bist nicht da. Ich finde nur Leere vor.
Ich sehe wie Leute mit ihren Hunden Gassi gehen und denke unweigerlich an dich.
Abends auf der Couch, als du immer deinen Kopf auf meinen Bauch oder die Beine gelegt hast. Es fehlt. Jeden Tag schaue ich mich um, vergesse für eine Sekunde dass du nicht mehr da bist. Du fehlst.
Wenn Familie, Freunde und Bekannte dich schmerzlich vermissen.
Deine Zuneigung, dein Blick, dein Vertrauen, deine neugierige Art, die routinierten Abläufe mit dir, die Spaziergänge und Abenteuer – Ich vermisse dich jeden Tag.
Doch, ein Teil von dir bleibt bei mir.

In Loving Memory

Missy

28.04.2011 – 19.05.2019

Eines der letzten Fotos / 15. Mai 2019

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