Film Review: ‚Call me by your Name‘

'Call me by your Name' (Sony Pictures)

Nach dem Roman von André Aciman
Regie: Luca Guadagnino
Cast: Timothée Chalamet, Esther Garrel, Michael Stuhlbarg, Amira Casar, Armie Hammer, Victoire Du Bois
USA 2017
132 Minuten


Es gibt Filme, bei denen es nicht vieler Worte bedarf. Buchstäblich.
‚Call me by your Name‘ ist so einer. Es genügen nur zwei Worte ihn zu beschreiben:
Einfach schön.

Ein paar mehr sind an dieser Stelle dennoch angebracht.
Regisseur Luca Guadagnino liebt das Extravagante; gutes Essen, schicke Kleider, wunderschöne Landschaften. Das haben zumindest die meisten seiner Filme gemeinsam.
Schon sein Vorgänger, der Erotik-Thriller ‚A Bigger Splash‘, verzauberte das Auge des Betrachters mit einer herrlichen Landschaft auf der italienischen Insel Pantelleria nahe Sizilien. Ein Swimmingpool, ein kleines schickes Haus und eine handvoll Menschen, die das Leben genießen. Im Gegensatz zu ‚A Bigger Splash‘ ist „Call me by your Name“ kein Thriller und, so viel sei verraten, wird am Ende niemand sterben.

Aber auch in Luca Guadagnino’s neuestem Werk gibt es ein schickes Anwesen mit riesigen Garten, wo gerne draußen gespeist wird und einem kleinen Swimmingpool aus Stein. Der Film spielt in der italienischen Poebene, in der Nähe von Crema, einer Kleinstadt ca. 40 Kilometer südöstlich von Mailand gelegen. Dort verbringt Elio (Timothée Chalamet), auf dem Landsitz seiner Eltern, seinen Sommer.

Handlungsort war auch der Drehort des Projekts, Guadagnino wohnt tatsächlich in Crema. Auch die Darsteller verbrachten während der Dreharbeiten die Zeit in der Kleinstadt, um voll und ganz den Charme und das Leben dieser Gegend einzuatmen. Und das merkt man dem Film auch an, alles wirkt für die Figuren vertraut. Der Ort hat seinen eigenen Charme. Auch wenn nicht viel los ist, aber als Kulisse im italienischen Sommer ist dieser perfekt.

Luca Guadagnino am Set von ‚Call me by your Name‘

Die Bildsprache, stets ein starker Aspekt in Guadagnino’s Filmen, hier eingefangen vom thailändischen Kameramann Sayombhu Mukdeeprom, fängt die italienische Sommeridylle perfekt ein.

Die Leichtigkeit, wenn man sich zum „Sommer-Frühstück“ trifft, Mittags im Schatten der Bäume mediterrane Leckerbissen zu sich nimmt, Nachmittags im See oder Pool badet, und am Abend bei Wein den Tag ausklingen lässt. Die Leichtigkeit des Seins.
In dieses Umfeld will man sich als Zuschauer gerne hineinfallen lassen. Am liebsten mit am Tisch im Garten der Familie Perlman sitzen, tief einatmen, ein kühles Getränk zu sich nehmen und den Sommer genießen. Genau das vermittelt Luca Guadagnino auf einzigartige Weise.

Der altkluge 17-jährige Elio Perlman (Timothée Chalamet) genießt dabei den norditalienischen Sommer des Jahres 1983 auf der Villa der Familie. Unbeschwert und im Reinen mit sich und der Welt. Er spielt klassische Musik, liest und geht eine zarte Liaison mit seiner neuen Freundin Marzia (Esther Garrel) ein.

Bis der 24-jährige amerikanische Doktorand Oliver (Armie Hammer) als neuer Sommer-Praktikant von Elios Vater aufschlägt. Elio und Oliver nähern sich an. Berauscht von der Schönheit der Szenerie kommen sich die beiden näher, ertasten Grenzen, und lassen sich schließlich in der Leidenschaft füreinander fallen.
Die ersten Gefühle, Erotik, Leidenschaft, das alles wird in ‚Call me by your Name‘ vor allem sehr unterschwellig thematisiert. Zum Beispiel wenn Elio’s Vater, ein Archäologe, mit Oliver über antike Männerstatuen und ihre Sinnlichkeit und Anmut philosophiert. Damit wird gleichzeitig die Handlung des Films angesprochen.

Michael Stuhlbarg, Timothée Chalamet und Armie Hammer (v.l.n.r.)

So begleitet der Zuschauer über die Spielzeit vor allem Elio und Oliver bei ihrem zunächst gegenseitigen Abtastens, über erste Gefühle füreinander und das eingestehen dieser. Mit dem Wissen, das diese Beziehung nicht Bestand haben kann. Man erlebt Dialoge zwischen den beiden über das Leben, sieht ihnen beim Baden zu, wie sie gemeinsam mit dem Fahhrad in die Stadt radeln, oder sich später im Bett wieder finden.

‚Call me by your Name‘ beschreibt nicht nur die zarte Bande der beiden jungen Männer, sondern auch die Beziehung von Elio zu seinen Eltern. Immer wieder gibt es Szenen, bei denen zum einen Elio’s Mutter Annella (Amira Casar), wie auch sein Vater (Michael Stuhlbarg) dem 17-jährigen stets mit Ratschlägen zur Seite stehen, um ihn auf das Leben vorzubereiten.

Gegen Ende des Filmes gibt es eine herzzerreißende Szene zwischen Vater und Sohn, als Mr. Perlman Elio ein paar Worte auf den Weg gibt, die den jungen sichtlich bewegen und den Zuschauer ebenso. Ein Moment, wo man nur gebannt zuhört und wünscht, diesen Mr. Perlman als sein eigenen Vater bezeichnen zu können. Das eigentliche Highlight von „Call me by your Name“, denn hier gibt der Film dem Publikum eine eindringliche Botschaft mit auf dem Weg.

Passend auch die letzte Szene, die kurzfristig von Regisseur Luca Guadagnino geändert wurde. Ohne ein Wort, sieht man Timothée Chalamet dabei minutenlang ins Gesicht, man spürt wie es in ihm arbeitet. Er sich über so einige Dinge im Leben klar wird. Und gleichzeitig neue Fragen aufwirft. Es sagt so viel aus, ohne das ein Wort fällt. Ein emotionales Ende, welches nicht besser hätte gewählt werden können.


Drehbuch: James Ivory
Produzenten: Luca Guadagnino, James Ivory, Peter Spears, Emilie Georges, Rodrigo Teixeira, Marco Morabito, Howard Rosenman
Kamera: Sayombhu Mukdeeprom
Schnitt: Walter Fasano
Musik: Sufjan Stevens

Ab 5. Juli 2018 auf DVD/Blu-ray erhältlich:

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