Film Review: ‚Motherless Brooklyn‘


Regie: Edward Norton
Cast: Edward Norton, Bruce Willis, Gugu Mbatha-Raw, Bobby Cannavale, Cherry Jones, Michael Kenneth Williams, Leslie Mann, Ethan Suplee, Alec Baldwin,Willem Dafoe u.v.w.
USA 2019
145 Minuten
Nach Jonathan Lethems Roman „Motherless Brooklyn


Nach „Keeping the Faith“ (2000) ist „Motherless Brooklyn“ die zweite Regiearbeit von Edward Norton. Norton verkörpert den am Tourette Syndrom leiteten Privatdetektive Lionel Essrog. Die Geschichte entdeckte er bereits 1999, aus dem Roman von Jonathan Lethem.
In seiner unverwechselbaren Art Lionel zu spielen, zieht man bereits nach wenigen Minuten zwangsläufig Parallelen zu „Primal Fear“ (Zwielicht). Auch wenn es sich bei Nortons Figur in dem Thriller mit Richard Gere aus dem Jahr 1996 nicht um ein Tourette-Syndrom handelte.
Und die Gefahr, dass das alles schnell ins lächerliche abrutscht, oder überzogen dargestellt wird, ist groß. Norton schrammt tatsächlich haarscharf daran vorbei. Er sorgt dabei für einige Lacher, manchmal unbeabsichtigt, meist aber ganz bewusst. Und genau wirkt Norton einer gewissen Überspieltheit enteggen. Was meistens gelingt.
Einen großen Cast konnte Ed Norton für seinen Film versammeln. 
Und da komme ich zum Schwachpunkt des Films; einige Charaktere und die Story.
Mit vielen Figuren wird man nicht warm. Wie mit Alec Baldwin als undurchsichtiger Baulöwe oder Bruce Willis, der in seiner kurzen Screenrime eh bald das zeitliche Segnet.
Willem Dafoe, Bobby Cannavale und Gugu Mbatha-Raw geben ihr bestes. Und gefallen auch. Neben Norton selbst natürlich. 
Die Story ist nicht immer rund. Die Wege sind lang, das Ziel unklar. Aber dennoch schaut man dem ganzen gerne zu. Warum? 
Weil der Film  herrlich altmodisch ist, und nostalgisch. Das Setting im New York der 1950er Jahre macht Laune. Das sieht einfach gut aus. Der typische 50er Jahre-Sound (vor allem Jazz) – Bombe. 

Motherless Brooklyn ist vor allem deshalb – „schön“. Nicht perfekt, läuft manchmal unrund und droht sich zu verlieren. Doch genau das will man als Zuschauer. Sich im dreckigen New York der 1950er Jahre verlieren. Die Dunkelheit der Straßen, aus der – angelehnt an der Häuserzeile – plötzlich ein Mann im Trenchcoat und mit Hut hervortritt, den die spärliche Straßenbeleuchtung einfängt. 
Der Rauch. Die Brooklyn Bridge, heruntergekommene Jazzbars, in denen der beste Jazz der Stadt gespielt wird. Der echte, der unverfälschte. Das will man mögen. 
So schafft es Edward Norton mit Motherless Brooklyn den Zuschauer mit einem guten Gefühl aus den langen knapp 140 Minuten zu entlassen.
In der Gewissheit nicht den besten Film des Jahres gesehen zu haben. Aber einen, den es heute kaum noch gibt. Denn, wenn man von „handwerklicher Arbeit“ spricht, ist das hier wörtlich zu nehmen. Einer von Hand und Liebe gemachter Film.
Dem man seine Schwächen verzeihen mag.



Drehbuch: Edward Norton
Produzenten: Edward Norton, Bill Migliore, Gigi Pritzker, Rachel Shane
Kamera: Dick Pope
Schnitt: Joe Klotz
Musik: Daniel Pemberton

Ab 12. Dezember 2019 im Kino