Film Reviews 'Soul': Mit Seelen und Jazz ins Leben

‚Soul‘: Mit Seelen und Jazz ins Leben

-

‚Soul‘ geht mit philosophischen Fragen mutig in die Welt von Seelen und Jazz. Die Corona-Pandemie verwehrt dem Film aber die große Bühne.

Was ist der Sinn des Lebens? Was macht einen Menschen aus? Gibt es eine Rückkehr aus dem Jenseits? Wie lebt es sich im „Davorseits“? Diese kuriose Wortschöpfung sagt schon alles: ‚Soul‘, der 23. abendfüllende Pixar-Trickfilm entführt in Wunderwelten, wie sie nur von den Talenten der kalifornischen Animationsschmiede geschaffen werden können. Mit ‚Alles steht Kopf‘ wagte Oscar-Preisträger Pete Docter eine abenteuerliche Reise in den Kopf und ins Unterbewusstsein eines elfjährigen Mädchens. Jetzt pendelt der Regisseur zwischen dem „Davorseits“, wo Seelen für ihr Leben auf der Erde gedrillt werden, und der New Yorker Jazz-Szene, wo ein frustrierter Musiklehrer dem Traum von einer großen Jazz-Karriere nachjagt. Dabei wirft ‚Soul‘ jede Menge philosophische Fragen auf. Kindgerechter Stoff? „Ziemlich komplexes Zeug“, räumt der Regisseur, der auch ‚Die Monster AG‘ und ‚Oben‘ inszenierte, in Interviews ein. „Aber Kinder sind wirklich klug und ich glaube, wir Erwachsene unterschätzen oft, was sie alles aufschnappen“.

Hauptfigur Joe Gardner, ein middle-school Musik Lehrer der Jazz liebt in ‚Soul‘ © 2020 Disney/Pixar. All Rights Reserved

‚Soul‘ sollte der Disney-Kino-Weihnachtshit werden, doch coronabedingt ist es nun der erste Pixar-Spielfilm, der nicht auf der großen Leinwand, sondern per Streaming (ab 25.12. bei Disney+) herauskommt.

Doch der Lehrer Joe Gardener, die aufmüpfige Seele 22 und die orange-getigerte Hauskatze Mr. Mittens dürften es spielend schaffen, Jung und Alt vor den Bildschirm zu bannen. Joe (im Originalfilm mit der Stimme von Oscar-Preisträger Jamie Foxx) legt sich mächtig ins Zeug, seine Schüler für Musik zu begeistern. Aber sein ganzes Leben träumt er davon, als Jazz-Pianist berühmt zu werden. Es bietet sich die große Chance, als er in einem Club für einen Auftritt an der Seite einer legendären Saxofonistin vorspielen darf und den Gig tatsächlich bekommt. Während er überglücklich durch die New Yorker Straßen läuft, besiegelt ein fehlender Kanaldeckel sein Schicksal – Joe verschwindet „am besten Tag seines Lebens“ im Jenseits.

Joe Gardner (li.)im „Davorseits“ als blaugrünes Wesen ©2020 Disney/Pixar. All rights reserved

Dem satten, warmen und ultrarealistischen Look New Yorks setzen die Pixar-Künstler eine völlig abgedrehte Unterwelt entgegen. Joe, jetzt ein blaugrünes Wesen, gelangt in das mystische „Davorseits“, eine pastellfarbene Welt, die von kleinen Seelen bevölkert wird. Visuell schießt das Pixar-Kreativteam weit über herkömmliche Animation hinaus. Dreidimensionale Strichmännchen mit kubistischem Anstrich lenken die Seelenwelt. In einer Art Bootcamp werden die wie Flummibälle hüpfenden Seelen von Mentoren mit Talenten versehen und auf ihr Leben auf der Erde vorbereitet. Nur Seele 22 will davon nichts wissen. „Erde klingt dämlich“, sie möchte lieber ohne Gefühle, Interessen oder Persönlichkeit so weiterleben wie bisher. Nicht einmal Joe kann 22 mit seiner Lebenslust und Leidenschaft für weltliche Dinge anstecken. Vielleicht der Geruch frischer Pizza? Auch das zieht nicht, denn im „Davorseits“ kann man weder schmecken noch riechen. Was für ein Glück für Seele 22, Joe und die Zuschauer, als das Duo den Weg ins quirlige New Yorker Leben zurückfindet. Auch kommt per Körpertausch noch Mr. Mittens auf vier Pfoten dazu.
Mit Tempo und Witz führt ‚Soul‘ in einen Barbershop, in die Schneiderwerkstatt von Joes Mutter und zurück auf die Jazz-Bühne.

Joe Gardner am Klavier © 2020 Disney/Pixar. All Rights Reserved

Pete Docter hat den schwarzen Dramatiker und Drehbuchautor Kemp Powers (‚One Night in Miami‘) als Ko-Regisseur an Bord geholt. Der amerikanische Jazz-Musiker Jon Batiste, der schon mit Größen wie Stevie Wonder und John Legend spielte, steuerte die Jazz-Kompositionen bei. Die oscarprämierten Musiker Trent Reznor und Atticus Ross (‚The Social Network‘) lieferten den Soundtrack. Zwei Oscars für den besten animierten Spielfilm hat Docter mit ‚Oben‘ und ‚Alles steht Kopf‘ bereits gewonnen. Den Dritten hat er allein schon für die mitreißenden Szenen, wenn Joe am Klavier völlig in seiner Musik aufgeht, verdient.
‚Soul‘ steht in Sachen Charme und Magie ‚Oben‘ und ‚Alles steht Kopf‘ in nichts nach – in diesen Zeiten braucht es genau das mehr denn je.

Latest news

Gal Gadot landet mit Spionage-Thriller ‚Heart of Stone‘ bei Netflix

Der Streaming-Dienst Netflix gibt 'Wonder Woman'-Star Gal Gadot einen Agenten-Auftrag. "Ein Gal Gadot Spionage-Thriller? Ja bitte!!", schrieb Netflix am...

„Beängstigend und beglückend“: Bjarne Mädel zu seinem Regiedebüt

Ob als Schotty im 'Tatortreiniger', Schäffer in 'Mord mit Aussicht' oder Georg in '25 km/h': Bjarne Mädel hatte bislang...

Parasite-Regisseur Bong Joon Ho leitet Jury beim Filmfest in Venedig

Der südkoreanische Regisseur und Oscar-Gewinner Bong Joon Ho wird im September die Jury des Filmfests von Venedig leiten. Das...

Netflix-Serie ‚Bridgerton‘: Historien-Drama jetzt schon einer der größten Hits

Üppige Ballkleider, große Empfänge und die Suche nach der großen Liebe: So weit, so normal für eine Historien-Serie. 'Bridgerton'...

Berlins Kultursenator Lederer: Berliner Bühnen öffnen nicht vor Ostern

Wann wird man wieder ins Theater gehen können? Darüber hat Berlins Kultursenator Lederer mit mehreren Bühnenleitern gesprochen. Den Zuschauern...

Celebrating America: TV-Special mit großen Stars zur Amtseinführung Bidens

Mit großen Stars wartet eine TV-Sondersendung zur Amtseinführung des künftigen US-Präsidenten Joe Biden am 20. Januar auf. Hollywood-Schauspieler Tom...

Must read

Gal Gadot landet mit Spionage-Thriller ‚Heart of Stone‘ bei Netflix

Der Streaming-Dienst Netflix gibt 'Wonder Woman'-Star Gal Gadot einen...

„Beängstigend und beglückend“: Bjarne Mädel zu seinem Regiedebüt

Ob als Schotty im 'Tatortreiniger', Schäffer in 'Mord mit...

You might also likeRELATED
Recommended to you