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Zum 100. Geburtstag von Schöpferin Ellis Kaut: Neue Pumuckl-Serie geplant

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Barfuß, frech und auf seine Weise sprachbegabt: der Pumuckl. Seine Schöpferin Ellis Kaut wäre jetzt 100 Jahre alt geworden. Er selbst, auch nicht mehr der Jüngste, soll bald in neue Abenteuer starten.

Er liebt Schokoladenpuddeling – und ist rund um die Uhr zu frechen Sprüchen und Streichen aufgelegt: Der Kobold Pumuckl, der so gern „neckt“ und „versteckt“, hat Generationen von Kindern begeistert und seine Schöpferin berühmt gemacht. Die Autorin Ellis Kaut schuf den rothaarigen Kobold, der bis heute durch Sendungen und Bücher in Deutschland, aber auch in Spanien, Frankreich, Griechenland und sogar in China klabautert. 1962 lief die erste Hörspielreihe von „Meister Eder und sein Pumuckl“ im Bayerischen Rundfunk (BR). Pumuckl geht also auf die 60 zu – und seine Schöpferin Ellis Kaut wäre am 17. November 100 Jahre alt geworden; sie starb im September 2015 im Alter von 94 Jahren. Noch wenige Jahre zuvor standen immer wieder Kinder vor Kauts Haustür im Münchner Stadtteil Obermenzing und wollten ein Autogramm. „Ich weiß nicht, was die vielen Menschen mit all den Unterschriften anfangen“, wunderte sich Kaut zu ihrem 90. Geburtstag.
Pumuckl war nicht das einzige Werk der vielseitigen und mehrfach ausgezeichneten Künstlerin. Für den BR schrieb die gelernte Schauspielerin und Bildhauerin Hunderte von Beiträgen für Schulfunk und für Frauenmagazine. Eine Erfolgsstory wurden neben Pumuckl unter anderem die 120 Geschichten vom „Kater Musch“. Der Kinderkanal Kika von ARD und ZDF würdigte Kauts 100. Geburtstag mit der Ausstrahlung von mehreren BR-Produktionen. Seit März 2019 ist die Serie „Meister Eder und sein Pumuckl“ bei Amazon Prime Video zu sehen, seit März dieses Jahres laufen die digital restaurierten 52 Folgen wieder im BR Fernsehen. Davor hatte es diversen Streit gegeben, auch um Urheberrechte. Deshalb war die Serie lange nicht mehr im Fernsehen zu sehen gewesen.

Jetzt können Pumucklfans sogar auf völlig neue Folgen hoffen. Die Pumuckl Media GmbH, bei der die Rechte nun liegen und in der Kauts Erben, die Pumuckl-Zeichnerin Barbara von Johnson und die Infafilm GmbH vereint sind, plant eine neue TV Serie „Meister Eder und ein Pumuckl“. Die Serie werde derzeit von der Produktionsfirma Neue Super entwickelt, man sei in Gesprächen mit einem Streaming-Dienst und einem Sender, sagte Pumuckl Media-Geschäftsführerin Cornelia Liebig-Marciniak. „Die Verhandlungen laufen noch.“ Der Plan sei, im nächsten Jahr mit der Produktion von 13 Folgen für die erste Staffel zu beginnen, die 2022 ausgestrahlt werden soll. Wenn alles nach Plan laufe, solle dann jedes Jahr eine weitere Staffel folgen.

Die Pumuckl Media lässt den Kobold auch für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) aktiv werden. In TV-Spots des Ministeriums wird er als Vorbild für Kinder für Verkehrssicherheitsthemen werben. Jenseits des ministeriellen Einsatzes soll es ein Computerspiel und eine App zu Verkehrssicherheit geben. Ist der kleine Quälgeist, der früher dem Meister Eder eher den Autoschlüssel versteckt hätte, neuerdings artig? Was hätte wohl „Mutter“ Kaut dazu gesagt? Dass es neue Pumuckl-Geschichten geben soll, wäre für ihre Mutter „das größte Geburtstagsgeschenk“, sagt ihre Tochter Ursula Bagnall. Und Cornelia Liebig-Marciniak betont, alles, auch für die neue Serie, werde nach Kauts Vorstellungen gestaltet. „Es gibt Vorgaben, was der Pumuckl kann und was er nicht kann. Im Rahmen dessen werden auch die neuen Geschichten entstehen.“
Zu Lebzeiten hatte Kaut sehr genau darauf geschaut, was ihr Zögling anstellte. Die Illustratorin von Johnson etwa hatte Kinder bei einem Malwettbewerb eine Freundin für ihn malen lassen. Das fand Kaut „unappetitlich“. So stritten die beiden „Mütter“ vor Gericht darüber, ob Pumuckl im gereiften Alter von um die 40 eine Freundin haben dürfte. Am Ende entschied das Münchner Landgericht: ja. Sogar eine Hochzeit gestanden die Richter ihm zu. Dazu kam es allerdings nicht. Er blieb Single. Dafür nahm er plötzlich ab. Die Abmagerungskur, die ihm der Stuttgarter Kosmos Verlag verordnet hatte, gefiel Kaut gar nicht. Der Verlag hatte ihn für eine neue Ausgabe moderner zeichnen lassen, ohne konkrete Vorgaben zu machen. Der Illustrator gestaltete ihn daraufhin sportlicher und schlanker – und löste empörte Reaktionen der Fans aus. Längst hat der teil-unsichtbare Pumuckl sein Bäuchlein zurück.Falten bekommt er ohnehin keine. „Geistwesen altern nicht, sie bleiben ewig jung“, sagt die Illustratorin von Johnson. Das Aussehen, das sie ihm gab – Strubbelhaare, kurzes Hemdchen und ohne Schuhe, weil sie als Kind gerne barfuß ging – soll er auch in den neuen Folgen behalten. „Er sieht aus wie vorher“, verspricht Liebig-Marciniak. Wer ihm nach dem unvergesslichen Hans Clarin die Stimme leihen und wer nach Gustl Bayrhammer den Meister Eder spielen wird, steht nicht fest. Offen ist auch, wie das Kobold-Leben in Digital-Zeiten aussieht. Bekommt er ein Smartphone? Wohl kaum. „Er erlebt etwas Neues“, verrät Liebig-Marciniak nur. Und: „Es wird wieder eine Werkstatt geben und Hausbewohner.“

Alles, was zu Kauts 100. Geburtstag geplant war, musste laut Tochter Bagnall wegen der Corona-Krise abgesagt werden, darunter Lesungen bei der von Kaut gegründeten Stiftung zur Förderung des Lesens und der Kinderliteratur. „Vielleicht feiern wir dafür nächstes Jahr ihren 101. Geburtstag“, sagte Bagnall. Das, da ist Bagnall sicher, würde Pumuckl ohnehin besser gefallen als eine runde Zahl.

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