Film Reviews Film Review: 'Death Wish'

Film Review: ‚Death Wish‘

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Regie: Eli Roth
Cast: Bruce Willis, Vincent D’Onofrio, Dean Norris, Elisabeth Shue, Camila Morrone
USA 2018
107 Minuten


 

Vom Arzt zum Rächer: Bruce Willis als Racheengel

Der Plot von Death Wish ist schnell erzählt; der erfolgreiche Chirurg Dr. Paul Kersey (Bruce Willis) führt ein sorgenfreies Leben mit Frau und Tochter.
Doch eines Tages werden die beiden Frauen in ihrem Haus brutal überfallen. Einer der beiden erliegt bald den schweren Verletzungen. Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Kommt aber nicht schnell genug voran. Kein Wunder, denn Chicago erlebt eine Welle der Gewalt, die Ermittlungsbehörden sind schlicht überfordert. Es kommt wie es kommen muss, der Arzt will Gerechtigkeit, und greift selbst zur Waffe.
Ab da beginnt die kontroverse Selbstjustiz des Regisseurs Eli Roth, der Bruce Willis alle Bedenken und moralischen Vorstellungen, die er bis zum Überfall auf seine Familie noch zu besitzen schien, über Bord werfen lässt.
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist es natürlich ein leichtes an Waffen zu gelangen. Kaum damit ausgestattet, macht sich Dr. Paul Kersey auf in die Nacht. Streckt Diebe und Gewalttäter über nieder. Bald fragt sich die Stadt; wer ist dieser geheimnisvolle Racheengel, der mit seinem Kapuzen-Hoodie zunächst nicht zu identifizieren ist, Held oder Verbrecher?
Eli Roth versucht diese Frage dem Zuschauer selbst zu überlassen, wenn er auch klar den Weg vorgibt. Bruce Willis zum Beispiel entwickelt als Dr. Kersey schnell zwei Seiten. In der Nacht ist er der eiskalte, brutale Mörder, tagsüber der Arzt der Leben rettet und liebevoller Vater. Wie geht beides zusammen? Zumal seine Methoden auf den Straßen Chicagos für Ordnung zu sorgen, immer ausgefeilter werden. Und Roth mit seinem Film ausufert, indem er jegliche Anfangs-Motive beiseite wischt. Denn vom Rächer für seine Familie, mutiert Bruce Willis zum Rächer der ganzen Stadt.

Death Wish
Universum Film

Im laufe der Spielzeit verwischen mehr und mehr die Grenzen zwischen „Racheengel“, und einem der aus Spaß am Töten durch die Straßen zieht. Hier verliert der Film dann jede Glaubhaftigkeit, wenn es nur noch um selbstgerechte Selbstjustiz geht.

Chicago – Stadt der Waffen- Stadt der Gewalt

Doch Death Wish befasst sich mit einer grausamen Wirklichkeit, die schon in der Eingangssequenz deutlich wird; Chicago erlebt derzeit eine wahre Spirale der Gewalt.
Waffengewalt ist in Chicago ein alltägliches Problem. „Es sind illegale Waffen, eine Art Militärwaffen, die auf dem Schlachtfeld benutzt werden“, so der Polizeisprecher des Chicago Police Department. Im Jahr 2013 sind insgesamt 440 Menschen bei Schießereien in Chicago getötet worden. Meist sind es Streitigkeiten zwischen Gangs und Drogenbanden.
Aber es trifft auch unbeteiligte. Während einer Schießerei auf einem Basketballfeld wurde einem dreijährigem Junge in den Kopf geschossen.
Oft fielen Schüsse aus fahrenden Autos heraus. Eine Frau wurde versehentlich auf ihrer Veranda angeschossen. „Sie war nicht das eigentlich Ziel“, sondern ein „bedauerliches Opfer“, so die Polizei.
Ein Beispiel zeigt die Aktualität des Films; Allein am Wochenende zwischen 3.-5. August 2018 kommen bei knapp drei Dutzend Schießereien 12 Menschen ums Leben, mehr als 50 werden verletzt. Ein Vergleich: Im Jahr 2016 verzeichnet Chicago insgesamt 762 Morde. (Allein im Januar 2017 228 Schießereien und 42 Morde, 328 im ersten Halbjahr).
In Deutschland gab es 2016 373 Morde. Zur Verdeutlichung; Chicago ist die drittgrößte Stadt der USA mit 2,7 Millionen Einwohnern. Deutschland mit seinen über 80 Millionen Einwohnern hat gerade mal die Hälfte an Mordopfern pro Jahr!
Mit diesen Zahlen ist Chicago die Hauptstadt der Gewalt in den USA und gilt längst als Kriegsgebiet. Donald Trump kündigte bereits an die Kavallerie zu schicken.
Für Europa schlicht unvorstellbare Zustände. Im reichsten Land der Welt. Und die Gewalt und Mordraten steigen weiterhin in den US-Großstädten. Auch, oder vor allem seit Trump.

Vielleicht muss man, gerade hier in Europa und Deutschland, diese Umstände vor Augen führen, um die Motive des Regisseurs Eli Roth für „Death Wish“ nachvollziehen zu können. Niemand kann Selbstjustiz gut heißen. Aber ein Film kann sich die Freiheit herausnehmen, unverfrorene Härte und Blutvergießen zu zeigen, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Ohne moralischen Zeigefinger. Dies steht jedem Filmemacher zu. Zum einen zeigt Roth auf seine Weise wie es in Chicago derzeit zugeht. Zum anderen begeht er den gefährlichen Spagat Gewalt zu verherrlichen.
Der Film macht auf die katastrophalen Umstände in Chicago zwar aufmerksam, aber trägt in nichts dazu bei wie man diese Lage verbessern könnte, sondern zeichnet sie einfach nach. Zu Recht kann man sich also fragen, was für einen Sinn hat das ganze dann? Dafür müssen wir „Death Wish“ als einen Film herunterbrechen der nicht als Doku, oder Moralapostel herhalten will, sondern als gewalttätiger R-rated Unterhaltungsfilm. Problem; nur darauf bezogen unterhält der Film nur bedingt. Zu vorhersehbar. Trotz solider Action. Es fehlt an Spannung und Orginalität um herausstechen zu können. Der Film ist düster und brutal, Punkt.
Bruce Willis spielt sich selbst, nur liebloser als sonst.
Und die Moral der Geschichte: Es gibt keine.

 


Drehbuch: Joe Carnahan, Brian Garfield
Produzenten: Roger Birnbaum
Kamera: Rogier Stoffers
Schnitt: Mark Goldblatt
Musik: Ludwig Göransson

Ab 10. August 2018 auf DVD/Blu-ray

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