Sony Music beendet Zusammenarbeit mit R. Kelly

R. Kelly
R. Kelly (REX/Shutterstock)

Nachdem Sony Music sorgfältig die aktuellen Geschehnisse und Vorwürfe rund um R&B Sänger R. Kelly nach eigenen Angaben „verantwortungsbewusst“ prüfte, auch um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden, wurde Kelly wurde von der RCA Records Website, die die signierten Künstler des Labels auflistet, am Freitag den 18. Januar 2019, entfernt.

Kellys Backkatalog bleibt bei RCA/Sony. Kellys letzte Veröffentlichung über das Label war ein Weihnachtsalbum im Jahr 2016. Seither
veröffentlicht er noch vereinzelt Songs. Anfang des Jahres kündigte der Sänger noch ein neues Album an.

Eine offizielle Stellungnahme von Sony Music steht zur Zeit noch aus.

Dieser Schritt erfolgt nach jahrelangen öffentlichen Aufrufen, Demonstrationen und sogar einer Petition von Mitgliedern der #MuteRKelly-Bewegung, mit der Forderung, Sony Music solle sich von Kelly trennen. Diese Forderungen verschärften sich nach der Dokumentation ‚Surviving R. Kelly‘, die am 3. Januar erstmals ausgestrahlt wurde. Darin werfen mehrere Frauen Kelly sexuelles Fehlverhalten vor. In der vergangenen Woche flog ein Flugzeug im Auftrag der Frauenorganisation UltraViolet mit einem Plakatschriftzug „RCA/Sony: Drop Sexual Predator R. Kelly“ über die Büros von Sony Music in Los Angeles.
Außerdem protestierten rund 80 Menschen vor dem Hauptsitz von Sony in New York.
Dies alles soll aber keinen Einfluss auf die Entscheidung von Sony Music gespielt haben, da Überlegungen und konkrete Maßnahmen, Kelly’s Vertrag aufzulösen bereits seit einigen Monaten diskutiert wurden.


Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs von Kelly gegenüber jungen Frauen reichen bereits mehr als 20 Jahre zurück. Im Jahr 2000 gab es eine Anklage wegen Kinderpornographie, nachdem ein Video aufgetaucht war, das angeblich zeigen sollte wie er Sex mit einer minderjährigen Frau hatte. Kelly wurde 2008 entlastet, nachdem die Frau es ablehnte gegen den Sänger auszusagen.
1995, im Alter von 27 Jahren, heiratete er die damals 15-jährige Sängerin Aaliyah. In der Doku ‚Surviving R. Kelly‘ erzählen Zeitzeugen, die mit der Sängerin arbeiteten aus, dass Kelly Aaliyahs Geburtsdatum auf der Heiratsurkunde fälschte, um anzugeben, dass die Sängerin 18 Jahre alt war. In diesem Zusammenhang wird Kelly Sex mit einer Minderjährigen vorgeworfen. Eine Zeugin bekundete in der Dokumentation, sie habe Kelly und Aaliyah beim Sex gesehen.
Erst im vergangenen Jahr wurden Berichte veröffentlicht, wonach Kelly Frauen für einen „Sexkult“ gefangen hält.
Im Laufe der vergangenen Jahre sind immer wieder Berichte über diverse Praktiken und Missbrauchsvorwürfen aufgetaucht.

Durch die vorzeitige Auflösung des Vertrages seitens Sony Music, könnte R. Kelly auf Schadenersatz klagen. Wenn R. Kelly einen Rechtsstreit anstößt, mit der Begründung es handelt sich um einen Vertragsbruch, könnte am Ende ein Gericht über die Vertragsauflösung entscheiden. Oder beide Seiten einigen sich bei einem Vergleich.
Selbst wenn R. Kelly nicht rechtsmäßig für eine Straftat verurteilt ist, kann die Plattenfirma selbst entscheiden ob sie den bestehenden Vertrag kündigen will. Gleiches gilt im Umkehrschluss für die andere Vertragspartei. Kelly dürfte wenig Chancen haben gegen diesen Beschluss rechtlich vorzugehen. Einzig eine Schadensersatzforderung wäre ggf. von Erfolg gekrönt.

Spätestens nach den heftigen Reaktionen bezüglich der Dokumention ‚Surviving R. Kelly‘ mit neuen Enthüllungen und die Konsequenzen einiger andere Künstler, gemeinsame Songs mit R. Kelly von diversen Musik-Streamingdiensten zu löschen, wurde der Druck so groß, dass es für das Label keine andere Alternative als die sofortige Vertragsauflösung gegeben haben dürfte.