Kultur Grütters mahnt bei Öffnungen: Kultur nicht vergessen

Grütters mahnt bei Öffnungen: Kultur nicht vergessen

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Bei möglichen Öffnungen in der Corona-Pandemie pochen Kulturpolitiker auf Berücksichtigung der Kulturszene. Kunst und Kultur sei unverzichtbar in der Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen des Menschseins


Vor dem Treffen von Bund und Ländern zu weiteren Maßnahmen in der Corona-Pandemie und möglichen Lockerungen hat sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters für eine Berücksichtigung der Kulturszene stark gemacht. „Die Ministerpräsidentenkonferenz und die Bundesregierung beraten neben notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen mittlerweile auch wieder über Öffnungsszenarien“, sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Dabei müsse die Kultur bei allen Diskussionen von Anfang an mitgedacht werden. „Öffnungen dürfen nicht einer rein marktwirtschaftlichen Logik folgen“, sagte Grütters. Sie erinnerte daran, dass Kultureinrichtungen die ersten gewesen seien, die schließen mussten. „Sie dürfen nicht die letzten sein, die wieder öffnen.“
Inzwischen gebe es viele Studien namhafter Experten, die nachwiesen, dass Museen wie auch Theater, Kinos und Konzerthäuser mit ihren modernen Lüftungsanlagen und Hygienekonzepten gut auf ihr Publikum vorbereitet seien und dass „unter Einhaltung üblicher Hygiene- und Abstandsvorgaben ein verantwortungsvoller Neustart des Kulturbetriebs auch in Pandemiezeiten unproblematisch ist“.

Experten weisen immer wieder darauf hin, dass bei einer hohen Zahl der Infektionen die Übertragungswege nicht geklärt sind. Zudem soll der bisherige Lockdown auch An- und Abreisen vermeiden. Auch ein am Mittwoch von Grütters‘ Haus veröffentlichtes Papier des Umweltbundesamtes sieht Möglichkeiten. Heinz-Jörn Moriske, Direktor und Professor im Umweltbundesamt, sagte dazu: „Eine Öffnung während der Pandemie ist nur möglich, wenn die Einrichtungen über eine ausreichend leistungsfähige Lüftungsanlage verfügen. Auch das Tragen medizinischer Masken ist weiter nötig, und die Besucherinnen und Besucher sollten mit ausreichend Abstand im Schachbrettmuster sitzen.“ Unter diesen Bedingungen seien „selbst bei einem 7-Tage-Inzidenzwert von um die 50 Personen pro 100 000 Einwohnern“ Veranstaltungen bis zu zweieinhalb Stunden möglich, „egal, ob im Kino, Theater oder Konzerthaus“. Grütters verwies auf „die dramatischen Verluste in der stillgestellten Kultur“, die nicht nur Publikum, Theater-, Kino- und Konzertgänger beträfen, sondern alle Menschen. „Nicht nur weil die Kultur- und Kreativbranche ein so wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sondern auch weil Kultur kein Luxus ist, den man sich nur in guten Zeiten gönnt.“ Kunst sei unverzichtbar in der Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen des Menschseins. „Sie ist Quelle von Inspiration und Irritation, Reflexion und Innovation. Sie schafft Raum für Empathie und für Debatten. Und: Kultur holt die Menschen endlich auch wieder heraus aus ihrer häuslichen Isolation.“

Berlins Kultursenator Klaus Lederer, aktuell auch Vorsitzender der Kulturministerkonferenz, fürchtet ebenfalls, das Thema Kultur könne bei den Gesprächen hintenüberfallen. Er habe den Eindruck, dass die Kultur bei vielen Politikern „irgendwo an vorletzter Stelle“ komme, sagte der Linke-Politiker dem Magazin Spiegel. „Wenn wir jetzt über die Öffnung von Baumärkten reden, aber nicht über die Öffnung von Theatern und Opernhäusern“, könne man das niemandem vermitteln. Zudem erhalte er regelmäßig Nachrichten von Kulturschaffenden, wonach sie mit dieser Unsicherheit nicht gerechnet hätten und nach der Pandemie nicht weitermachen wollten. „Ich fürchte, da wird es eine massive Verarmung der Kulturlandschaft geben“, sagte Lederer.

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